Die Geschmacksnerven lassen im Alter generell nach. Aber auch das Hunger wie das Durstgefühl. Bei einer Demenz kommt dann noch das Vergessen dazu. An dieser Stelle möchte ich gerne ein paar Tipps weitergeben.
1. Es lohnt sich, wenn man sich wieder auf alte Gerichte und Spezialitäten zurück besinnt. Alles was in der Kindheit gerne gegessen wurde, hat sich in der Erinnerung am tiefsten eingeprägt. Was sich bei einer Demenz oftmals wieder zeigt.
2. Genauso wie Kinder von sich aus am liebsten nur Einseitig das essen möchten was sie gerne haben, so zeigt sich dies oftmals auch wieder bei Dementen. Aus diesem Grund müssen manchmal Vitamine und Mineralstoffe entweder ins Essen gemischt werden oder einem Getränk bei gemixt.
3. Helle Nahrung auf einem hellen Teller, wird manchmal nicht mehr als Essen wahrgenommen. Es muss also in vielen Fällen mit einem farblichen Kontrast gearbeitet werden, damit das Essen als solches erkannt wird. Z.B etwas rote Beete auf den Kartoffelstock gelegt, oder die Farbe der Teller zum Kontrast des Essens gewählt werden.
4. Eintopfgerichte, die nur mit einem Löffel gegessen werden können, wecken oftmals angenehme Erinnerungen an die Kindheit.
5. Bei Dementen werden oftmals "exotische" Gerichte nicht mehr als Essbares erkannt. Einfach aus dem Grund, weil diese viel später in ihrem Leben dazu kamen und dementsprechend auch schneller wieder vergessen gehen - selbst wenn sie z.B Pizzas, Kebab u.s.w früher mal gerne assen.
6. Die meisten unserer lieben Dementen sind in einer Zeit gross geworden, wo das Essen sehr einseitig war (Kriegs- und Nachkriegszeiten). Durch die Demenz und dessen Vergesslichkeit, kommen diese vor langem eingeprägten, tiefen Gewohnheiten und Prägungen wieder verstärkter zum Vorschein.
7. Meist werden die Gelüste nach Süssigkeiten wieder stärker (wie früher in der Kindheit). Diesen Vorteil sollten pflegende Angehörige als ein Plus für zusätzliche Kalorien und eine gewisse Abwechslung sehen.
8. Da die Geschmacksnerven nachlassen, sollte alles Essen extra stark Gewürzt werden. Dabei aber möglichst extra Salzen vermeiden (Gesundheitsgründe), sondern einfach nur das Geschmackliche massiv verstärken. Niemand mag fades Essen, auch Demente nicht. Ihr Problem ist nur, das dass was für uns optimal ist, für sie dennoch nach nichts schmeckt.
8. Wenn im verlaufe einer Demenz immer häufiger vergessen geht, wie man Messer, Gabel und Löffel verwendet, so wird "Fingerfood" von Vorteil. Dazu braucht es nicht unbedingt exotische Gerichte wie Sushi u.s.w sondern auch Kartoffeln mit gegrilltem Hähnchen kann sehr gut mit den Fingern in den Mund geführt werden.
9. Manchmal wird auch die Konzistenz einzelner Bestandsteile im Essen nicht mehr wirklich eingeordnet. Nicht selten wird es dann im schlimmsten Fall sogar aussgespuckt. Es sollte also darauf geachtet werden um welche Bestandsteile es sich dabei handelt, um diese entweder in Zukunft zu vermeiden, oder vorher einmal durch den Mixer zu schicken.
10. Selbst püriertes Essen lässt sich apetitlich gestalten, indem man dieses entweder mit Schlagsahne, klein geschnittenen roten Beete, oder Schnittlauch dekoriert.
11. Trinken wird meistens ebenfalls zu einem grossen Problem. Manchmal hilft es, wenn man gemeinsam immer wieder mal auf etwas anstösst. Z.B auf einen gelungenen Tag, auf die gemeinsame Zeit, weil schönes Wetter ist, oder......Manchmal ist gemeinsames Trinken einfach angenehmer und stimulierender. Oftmals auch besser als immer und dauernd zu sagen: Du musst trinken, du trinkst zu wenig u.s.w. Der Trotz des "Getränkeverweigerns" ist oftmals minimiert, wenn man nur sagt: Hey, ich habe für uns beide ein Getränk gemixt, darf ich dich dazu einladen, oder kannst du es für mich mal probieren? Gleichzeit sind aber auch gewisse Getränkefarben verlockender als andere, was ebenfalls getestet werden könnte.
Dies sind ein paar Tipps, um lediglich eigene Ideen anzukurbeln. Aber auch um genaue Beobachtungen wahr zu nehmen und möglichst ihnen angepasst umzusetzen. Zum Schluss möchte ich aber nochmals ganz klar hervorheben: So wie Demente klare Tagestrukturen, als Orientierungshilfen für ihren Alltag brauchen, so ist es auch mit dem Essen. Sie möchten keine komplizierten Abwechslungen die sie Überfordern, sondern sie möchten ihren Alltag verstehen und einordnen können. Mit zum grössten Teil einseitigem Essen sind sie damals gross geworden und damit können sie auch im JETZT sehr alt werden. Im Extremfall lassen sich auch zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe als Nahrungsergänzung dazu geben.
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Liebe Grüsse