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 Und sie wollen immer noch keine Hilfe....

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jellyamber
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BeitragThema: Re: Und sie wollen immer noch keine Hilfe....   Do Feb 09, 2012 2:14 pm    © jellyamber

Liebe Kessi,

du hättest unter deinen Bericht und Rechtfertigungen auch meinen Namen setzen können.
Uih, wie mich das alles an die Situation meiner Eltern erinnert - und ich war damals noch 500 km weiter weg
zum Organisieren. Mein Partner und ich habe das Damoklesschwert immer näher schwingen sehen!
Letztendlich haben wir meine Eltern mit einer Mischung aus eindeutig sein, bisserl erpressen und über's Ohr hauen so weit
gekriegt, dass sie nach und nach Hilfe angenommen haben - in AMEISENSCHRITTEN, wohlgemerkt.

Die Idee von Rita, den Hausarzt mit ins Boot zu holen, ist super viel wert. Denn häufig sind unsere Eltern eher Autorritäts- als Tochtergläubig. Mein Vater war mit dem Medikamentestellen und meiner Ma geben auch überfordert. Da konnte ich aber leicht durchgreifen und ihm erklären, wenn er es nur einmal die Woche vergisst, dass Ma dann ganz doll leidet, die Nebenwirkungen einfach fies werden und am Besten der Hausarzt die Medigabe verschreibt. Und alles umsonst! Das ist für die Generation ganz wichtig,
dass es NIX extra was kostet. Sie haben das nicht freudig angenommen, aber immerhin. Medigabe wird ohne Pflegestufe vom Hausarzt verschrieben.

Dann habe ich eine Haushaltshilfe organisiert, die putzt, einkauft und auch mal kocht. Das war relativ leicht, weil das so eine superfreundliche Freundin der damals besten Freundin meiner Ma war. Wir haben alles nach und nach ausgeweitet...
Die Hilfe hat übrigens Ma immer mit einbezogen, so dass sie den Eindruck hatte, sie putzen zusammen.

Ich weiß, Kessi, der erste Schritt zur Veränderung ist der schwierigste. Hast du mit der Medigabe den Fuß bei ihnen drin,
geht danach alles leichter. Denn die Pflegeleute kenne sich mit diesem Trotz und keine Hilfe annehmen wollen nur zu gut aus,
das ist ihr täglich Brot!

Vielleicht kannst du den gemeinsamen Urlaub nützen und von dir reden: sag deinen Eltern, dass du befürchtest, dass jetzt einfach die Zeit gekommen ist, Hilfe anzunehmen. Dass es auch schön ist, wenn immer wieder mal wer vorbeikommt. Dass sie mit dieser Hilfe zuhause wohnen bleiben können. Bestell mal Essen auf Räder zum Testen und esst es gemeinsam. Mein Vater hat es tierisch Spaß gemacht, die Gerichte zusammen zu stellen.

Und zu guter Letzt: Der Weg der Eskalation - ist meistens der einzige, den wir gehen können.
Ist absolut kein Einsehen vorhanden, das Hilfe gebraucht wird, muss erst etwas Schlimmes passieren,
um damit zu starten. Das habe ich auch immer wieder bei meinen Eltern erlebt und jeder Vorfall war der Schlüssel zur nächsten Hilfe-annehmen-Tür.

Ich wünsch dir ganz viel Kraft - du bist nicht allein damit! Schreib weiter darüber,
uns fällt sicher noch was ein!

Liebe GRüße
Jelly

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Wer über das Schicksal nicht lachen kann, hat den Witz nicht verstanden.
G.D. Roberts

Werde, der du bist.
F.Nietzsche

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird;
aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.

Georg Christoph Lichtenberg
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Kessi
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BeitragThema: Re: Und sie wollen immer noch keine Hilfe....   Do Feb 09, 2012 5:44 pm    © Kessi

Liebe Rita, liebe Ursula,
erstmal viiiielen Dank für Eure lieben Worte - Balsam für die Seele!
Mit den Hausärzten meiner Mutter (Doppelpraxis, Papa bei "ihm", Mama bei "ihr") gibt es keinen Kontakt. Meine Eltern vertrauen ihnen, obwohl die Krebsdiagnose meiner Mutter eindeutig viel eher gestellt (und dann vielleicht nicht so weit fortgeschritten) worden sein müsste. Mama war über einen Zeitraum von 2 Jahren 1-3 mal pro Quartal da und hat ihre Probleme mit wechselnder Verstopfung und Durchfall, unerklärlichen Fieberschüben und massiver Gewichtsabnahme (über 20 kg in 1 Jahr) bei ihr und erst nach so langer Zeit hat die sich bequemt, eine Blutuntersuchung machen zu lassen, die sie wiederum auf die Idee einer Darmspiegelung brachte (meine Eltern sind über 80, seit über 15 Jahren dort in Behandlung, Mama hatte vorher noch keine einzige Darmspiegelung zur Vorsorge - aaaaaaahhhh!!). Ich glaube, wenn ich die Ärztin sprechen müsste, könnte ich kaum an mich halten, sie nicht mit den Vorwürfen zu bombardieren. Der HA meines Vaters verkauft ihm immer nur teure IGEL-Leistungen und kommt nicht mal von selbst auf die Idee, bei Prostata-Problemen mal den PSA-Wert bestimmen zu lassen! Das hat erst meine Schwester angeregt. Naja, ich halte also absolut überhaupt nichts von der Hausarztpraxis. Gott sei Dank ist Mama wegen des Krebses (und auch psychiatrisch/neurologisch weg. Demenz und Depressionen) an meinem Arbeitsplatz in einer onkologischen Ambulanz im Krankenhaus in Behandlung. Wir können auch von dort aus die Pflege verschreiben - nur hilft es leider gar nichts, wenn meine Eltern die Hilfe (noch) nicht in Anspruch nehmen wollen. Naja, wir arbeiten dran...
Erstmal Dank und Gruß, ich melde mich mal nach dem Wochenende zu Wort.

Kessi

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Ann
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BeitragThema: Re: Und sie wollen immer noch keine Hilfe....   Do Feb 09, 2012 7:11 pm    © Ann

Liebe Kessi,

ich drücke ganz fest die Daumen, dass euer gemeinsames Wochenende ein wenig so wird, wie du es dir erhoffst.

Ich finde es toll, wie sehr du dich für deine Eltern einsetzt und tust und machst

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Liebe Grüße
Ann


Und aus dem Chaos sprach eine Stimme:
Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen.
Und ich lächelte und war froh - und es kam schlimmer!
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Kessi
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BeitragThema: Re: Und sie wollen immer noch keine Hilfe....   So Feb 12, 2012 6:34 pm    © Kessi

Hallo zusammen, bin wieder da!
Wollte mal kurz (mal sehen, wie kurz das wird Embarassed) berichten vom Wochenende: Insgesamt war es sehr schön und gelungen! Die Unterkunft war optimal. In einem ev. Familienerholungszentrum hatten wir zwei Doppelhaushälften gemietet, die man durch eine wegschiebbare Wand im Wohnzimmer zu einem riesigen Haus verbinden konnte. Insgesamt 8 Doppelzimmer, vier Bäder (alle mit Dusche + WC), zwei kleine Küchen und dann noch in jedem Zimmer eine kleine Waschecke. Toll! Offener Kamin - da haben wir zwei sehr gemütliche Abende verbracht! Und vom Wohnzimmer aus Blick auf den Westensee - zugefroren, schneebedeckt - wunderschön. Mama stand das erste Mal in ihrem 81-jährigen Leben auf einem zugefrorenen See! Wir sind darauf mit ihr spazieren gegangen, unsere Tochter ist Schlittschuh gelaufen, unser Sohn und unser Neffe haben sich eine Glitschbahn auf dem See gemacht und hatten einen Heidenspaß! Die Spaziergänge haben Mama sehr gut getan und nach einem misslungenen Versuch konnten wir auch Papa mal von ihr loseisen, so dass er mal Verantwortung an uns abgeben konnte (klappte aber auch erst nach einem kurzen aber ernsten Gespräch, in dem seine Tränchen kullerten). Er hat gestern Abend mit seinen Enkelkinder Billiard gespielt und Mama hat mit uns zugekuckt und auch mal probiert (köstlich!) - wir hatten wirklich viel Spaß zusammen, auch wenn es anstrengend war. Mama kann man inzwischen wirklich nirgendwo allein (mit etwas Abstand zu uns) stehen lassen, dann verläuft sie sich. Das ist sogar mit Papa passiert als sie die ca. 50 Meter vom Gemeinschaftshaus zum Ferienhaus gehen wollten. Sich am Buffet bedienen ist alleine auch schon zu schwierig. Mit unserer Hilfe ging es dann aber ganz gut und alle beide haben gut gegessen. Was total schön war, war unserere Bastelstunde: Ich hatte schlichte weiße Becher und Porzellanmalfarben gekauft. Dann haben wir alle Namen auf kleine Zettel geschrieben und ausgelost, wer für wen einen Souvenierbecher bemalt. Sowohl Mama als auch Papa haben so konzentriert und hingebungsvoll gemalt (Papa fast 2 Stunden!!!) - da waren sie mal richtig abgelenkt von ihren Sorgen und jeder hat einen Erinnerungsschatz mit nach Hause nehmen können. Leider kamen wir in Sachen Hilfe annehmen noch nicht viel weiter, aber wir haben einen besseren Eindruck davon, was noch geht und was nicht. Leider hatte unsere Große dann noch einen kleinen Disput mit meiner Schwester der mit Tränen bei ihr und Unverständnis und Ärger bei meiner Schwester endete, was mir für beide unheimlich leid tat, aber das biegen wir schon wieder hin. Insgesamt erhält das Wochenende das Prädikat: Sehr wertvoll!

Liebe Grüße von der, mit vielen herumsausenden Gedanken im Kopf, erschöpften
Kessi

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