Liebe Kessi,
du hättest unter deinen Bericht und Rechtfertigungen auch meinen Namen setzen können.
Uih, wie mich das alles an die Situation meiner Eltern erinnert - und ich war damals noch 500 km weiter weg
zum Organisieren. Mein Partner und ich habe das Damoklesschwert immer näher schwingen sehen!
Letztendlich haben wir meine Eltern mit einer Mischung aus eindeutig sein, bisserl erpressen und über's Ohr hauen so weit
gekriegt, dass sie nach und nach Hilfe angenommen haben - in AMEISENSCHRITTEN, wohlgemerkt.
Die Idee von Rita, den Hausarzt mit ins Boot zu holen, ist super viel wert. Denn häufig sind unsere Eltern eher Autorritäts- als Tochtergläubig. Mein Vater war mit dem Medikamentestellen und meiner Ma geben auch überfordert. Da konnte ich aber leicht durchgreifen und ihm erklären, wenn er es nur einmal die Woche vergisst, dass Ma dann ganz doll leidet, die Nebenwirkungen einfach fies werden und am Besten der Hausarzt die Medigabe verschreibt. Und alles umsonst! Das ist für die Generation ganz wichtig,
dass es NIX extra was kostet. Sie haben das nicht freudig angenommen, aber immerhin. Medigabe wird ohne Pflegestufe vom Hausarzt verschrieben.
Dann habe ich eine Haushaltshilfe organisiert, die putzt, einkauft und auch mal kocht. Das war relativ leicht, weil das so eine superfreundliche Freundin der damals besten Freundin meiner Ma war. Wir haben alles nach und nach ausgeweitet...
Die Hilfe hat übrigens Ma immer mit einbezogen, so dass sie den Eindruck hatte, sie putzen zusammen.
Ich weiß, Kessi, der erste Schritt zur Veränderung ist der schwierigste. Hast du mit der Medigabe den Fuß bei ihnen drin,
geht danach alles leichter. Denn die Pflegeleute kenne sich mit diesem Trotz und keine Hilfe annehmen wollen nur zu gut aus,
das ist ihr täglich Brot!
Vielleicht kannst du den gemeinsamen Urlaub nützen und von dir reden: sag deinen Eltern, dass du befürchtest, dass jetzt einfach die Zeit gekommen ist, Hilfe anzunehmen. Dass es auch schön ist, wenn immer wieder mal wer vorbeikommt. Dass sie mit dieser Hilfe zuhause wohnen bleiben können. Bestell mal Essen auf Räder zum Testen und esst es gemeinsam. Mein Vater hat es tierisch Spaß gemacht, die Gerichte zusammen zu stellen.
Und zu guter Letzt: Der Weg der Eskalation - ist meistens der einzige, den wir gehen können.
Ist absolut kein Einsehen vorhanden, das Hilfe gebraucht wird, muss erst etwas Schlimmes passieren,
um damit zu starten. Das habe ich auch immer wieder bei meinen Eltern erlebt und jeder Vorfall war der Schlüssel zur nächsten Hilfe-annehmen-Tür.
Ich wünsch dir ganz viel Kraft - du bist nicht allein damit! Schreib weiter darüber,
uns fällt sicher noch was ein!
Liebe GRüße
Jelly